Ein Sprinter mit Potenzial

Ein Sprinter mit Potenzial

Der Text erschien in der TLZ und stammt von Axel Lukacsek

Als Zehnjähriger strampelte Marten Schomburg einst im Urlaub am Gardasee mit dem Rad den Berg hinauf. Wieder zu Hause, meldete er sich vor lauter Begeisterung beim Radsportverein Die Löwen Weimar an. Nun, fast zehn Jahre später, geht es für den Sportschüler wieder nach oben. Von dieser Saison an fährt Schomburg bei der‚ deutschen Kontinentalmannschaft Rad-Net Rose-Team und hat damit als erster Athlet seines Vereins einen Profivertrag unterschrieben. „Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung“, sagt der 19-Jährige.

Vor fast einem Jahr begann für ihn das Radsport-Jahr mit einem Paukenschlag, nachdem er in der Saison zuvor mit Krankheiten und Problemen mit den Handgelenken nach einem Sturz zu kämpfen hatte.  Als Schomburg also zum Bundesligauftakt gleich ins Grüne Trikot des besten Sprinters schlüpfte, war er ins Rampenlicht und gleichzeitig ins Blickfeld der Kontinental- Mannschaften gefahren.

Einstige Weggefährten wie Jakob Geßner aus Erfurt oder Jannis Peter (Gera) hatten jenen Schritt schon vollzogen und ermunterten ihn, sich beim Rad-Net Rose-Team zu bewerben. Der Rennstall, der den deutschen Talenten eine Heimat gibt und vom U23-Bundestrainer Ralf Grabsch geführt wird, ist der nächste Schritt auf dem Weg nach oben. Behutsam wurde Schomburg in Thüringen zu Höherem geführt.

Zuletzt lenkte Michael Beckert sein Training, der einst Stars der Szene wie dem zurückgetretenen Marcel Kittel oder Tony Martin den Weg ebnete. Nun aber steht der junge Weimarer auf eigenen Beinen. Das Training muss er nach den Plänen der neuen Mannschaft selbst organisieren, es mit der Schule koordinieren. „Der große Vorteil ist, dass ich individuell entscheiden kann, wann ich meine Einheiten absolviere“, sagt Schomburg, dass er dabei die Zügel schleifen lässt, glaubt er nicht: „Die Daten werden per Computer hoch- geladen. Das sieht der Trainer sofort, was wir gemacht haben.“

Dass die Anforderungen langsam steigen, hat der Weimarer schon in den ersten Wochen im neuen Trikot gemerkt. Im Trainingslager auf Mallorca, als auch mal Ex-Sprinter Erik Zabel für ein paar Kilometer neben ihm rollte, kamen in neun Tagen immerhin 1650 Kilometer mit knapp 20.000 Höhenmetern zusammen. „Da kommt man schon mal schnell an seine Grenzen.“

Genau jene Herausforderung hat der Schüler des Erfurter Sportgymnasiums gesucht. Seine neue Mannschaft traut ihm durchaus den
Durchbruch zu. „Er ist ein Sprintertyp, der viel Potenzial hat. Wenn er‚ sich weiterentwickelt, wird er bei Sprintankünften vorne mit reinhalten können und entsprechende Platzierungen einfahren, sowohl national als auch international“, sagt U23-Bundestrainer Grabsch.

Mit seinen inzwischen 1,94 Meter und einem Wettkampfgewicht von 76 Kilogramm ist er zu schwer, um auf dem Rad mit Leichtigkeit die Berge hinauf zu klettern. Aber beim Sprint setzte sich er im vergangenen Jahr schon da und dort in Szene, wie bei seinem Erfolg zum Bundesliga-Start, mit dem Sieg beim Großen Preis von Bellheim oder auf dem Sachsenring, wo er einmal mehr als bester Sprinter ausgezeichnet wurde.

Marten Schomburg ist mit seiner Mannschaft nach Kroatien ins Traningslager gereist, wo in diesen Tagen die ersten Rennen im neuen Trikot anstehen. Für den 19-Jährigen gilt es auch, sich gegen meist ältere Konkurrenz zu behaupten.„Im ersten Jahr will ich vor allem lernen“, sagt der Weimarer, der ja noch den Spagat zwischen Radsport und Sportschule zu meistern hat.

Nun also beginnt für ihn ein neuer Abschnitt als Radsportler, nachdem er einst beim FC Empor Weimar 06 als Fußballer begonnen hatte. Dabei sieht er sich durchaus auch als Klassiker-Fahrer und träumt von einem Start beim legendären Rennen Paris-Roubaix. Vor allem aber ist er Sprinter. Selbst wenn seine Karriere als Radsportler einst an einem steilen Berg am Gardasee begann.

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